-->

Hausboot und Wüstenschiff

Arche-Wasseroberflaeche

Die grüne Arche von Architekt Alexander Remizov ist für verschiedenste Klimazonen geeignet und trotzt sogar Flutwellen oder Erdbeben.

Katastrophensichere Eigenschaften – da kommt einem vielleicht  ein versiegelter Bunker mit viel Beton in den Sinn. Doch die Arche, wie der russische Architekt seinen Entwurf nennt, hat damit nichts gemeinsam. Im Gegenteil sollen betont leichte Materialien zum Einsatz kommen. Holz zum Beispiel. Oder Ethyl-Tetrafluorethylen, eine Kunststofffolie, die es in sich hat: Das Material ist zunächst einmal sehr leicht, ein großer Vorteil gegenüber Glas. Denn die Folie lässt sich relativ einfach in ungewöhnliche Formen bannen. Zudem ist Ethyl-Tetrafluorethylen haltbarer als Glas und obendrein recycelbar.

Leben in der Arche
Nur der Gestaltungsmöglichkeiten und der denkbaren Wiederverwertung wegen wählte Remizov den Kunststoff allerdings nicht. Vielmehr dachte er an den unmittelbaren praktischen Nutzen für seine Arche. Das Material ist nämlich auch selbstreinigend und – ganz wichtig – transparent. Über 40 Meter Breite und 60 Meter Länge spannt sich eine lichtdurchlässige Kuppel aus Kunststoff über den Entwurf und ragt an der höchsten Stelle ganze 30 Meter in die Höhe. Darunter entsteht dank des einfallenden Lichts eine Art autarkes Ökosystem. Gewächse werden im Entwurf zur Arche bewusst so ausgewählt und angepflanzt, dass sie möglichst viel Sauerstoff liefern und zu einem angenehmen Klima im Gebäudeinneren beitragen. Doch nicht nur die Flora profitiert von der Transparenz der Konstruktion, auch die Bewohner sollen daraus einen direkten Nutzen ziehen. Dazu sind auf allen Wohnebenen der Grünzone in der Gebäudemitte zugewandte Balkone vorgesehen. 40 bis 50 Wohneinheiten könnten in einer einzigen Arche entstehen, aber auch als Hotel oder Ausstellungsgbäude ließe sich das Gebäude laut Remizov realisieren, wobei die spätere Umnutzung ohne großen Aufwand gelingen könne.

Für Extrembedingungen geplant
So flexibel wie in Sachen Einsatzzweck zeigt sich die Arche auch bei der Anpassungsfähigkeit an ihre Umwelt. Dank des grünen Innenlebens könnte die Arche in trockenen Regionen ebenso sicheren Lebensraum bieten wie in hochwassergefährdeten Küstenabschnitten. Denn wenn nötig, macht die Arche ihrem Namen alle Ehre und schwimmt, der besonderen Bodenkonstruktion sei Dank. Der Entwurf ruht nämlich nicht auf einem konventionellen Fundament, sondern ist als eine abgerundete Schale ausgelegt. So könnte die Arche bei Überflütungen zum rettenden Hafen für Schutzsuchende werden. Selbst Erdbeben in seismisch besonders aktiven Regionenn soll die Arche ohne Schäden wegstecken. Möglich macht das die Kombination aus starken Stahlseilen und bogenförmigen Holzelementen, die Erdstöße gleichmäßig auf die Gesamtkonstruktion verteilen.

Module und Turbinen
Der Kuppelaufbau dient nicht nur der Erdbebensicherheit und einem optimierten Lichteinfall, er unterstützt auch die Energieversorgung im Haus. Die aufgespannte Ethyl-Tetrafluorethylen-Folie ist nämlich mit Metallprofilen am Gebäuderahmen befestigt, die auch als Kollektoren funktionieren. Sie sammeln Regenwasser und unterstützen zugleich die Warmwasserbereitung. Photovoltaikmodule lassen sich zudem an der Außenhaut anbringen und im optimalen Winkel zur Sonne ausrichten. Auch auf andere Weise ermöglicht die Kuppelform eine besonders effiziente Energieerzeugung am Dach. Rund um die Mittelsäule auf der Kuppelspitze bildet sich nämlich ein Luftstrom. Den nutzen zwei Stromgeneratoren, die ebenfalls an der Dachspitze eingeplant sind. Und an der Innennseite der Kuppel staut sich im oberen Bereich die warme Luft, die dank der Sonneneinstrahlung in der Arche entsteht. Diese Wärme wird in Akkumulatoren gespeichert und bei Bedarf verteilt über den gesamten Gebäudekomplex wieder abgegeben.

Autark, nicht abgeschottet
Auch wenn Remizovs Gebäudeentwurf unabhängig und wenn nötig geschützt von seiner Umwelt sein soll, möchte der Architekt die Arche nicht etwa von der Umwelt isolieren. Vielmehr soll auch die umittelbare Nachbarschaft von dem Gebäude profitieren. So wäre  die Arche nicht nur ein möglicher Fluchtpunkt in Krisensituationen, sondern auch Energiequelle für umgebende Gebäude oder Elektrofahrzeuge. Dieser Mehrwert bringt auch die Idee auf den Punkt, die hinter der Arche steckt. Sie soll einerseits Schutz vor extremen Umwelteinflüssen bieten und andererseits die negativen Auswirkungen unserer modernen Lebensweise auf die Natur bremsen. Im Grunde zielt die Arche also auf ein Umdenken, eine Evolution in puncto Wohnen ab.

www.remistudio.ru

Bilder: Remistudio/Alexander Remizov

Teile diesen Artikel


1 Kommentar
Ulrich Buschmann
Feb 18, 2012

Ich finde das die Arch eine großartige Idee ist,aber was ist bei Hitze und ,Sonnenstürmen .Sowas hält doch die Außenhülle nicht ab ?